Stuhlflechter

Stuhlflechter 

 

Prinzipiell ist der Beruf des Stuhlflechters mit dem Berufsbild des Korbflechters in der Fachrichtung Korbmöbelbau verwandt. Allerdings ist der Stuhlflechter in erster Linie für die Herstellung, Reparatur und Restaurierung von Sitzflächen und Rückenlehnen von Stühlen, Bänken, Fußbänken und Hockern zuständig.

Die ersten Stühle mit Geflecht stammen bereits aus dem Mittelalter, wirklich populär wurden Stuhlrohrgeflechte als König Karl dem Zweiten von England im Jahre 1670 ein geschnitzter Stuhl mit einem Sitzgeflecht aus Indien geschenkt wurde.

Fortan begannen englische Möbelschreiner Sitzmöbel zu bauen, deren Rückenlehnen und Sitzflächen aus Rohrgeflecht bestanden, wobei sie sich auch von europäischen und hier meist niederländischen Sitzmöbeln inspirieren ließen. Im Jahre 1851 verbesserte Michael Thonet die Technik des Dämpfens und Biegens von Holz und dadurch wurde es möglich, die ersten Bugholzstühle mit Geflecht zu bauen.

 

Mit dieser Entwicklung traten geflochtene Stühle ihre weltweite Verbreitung an, denn die Sitzmöbel überzeugten nicht nur durch ihr formschönes Aussehen, sondern zudem auch durch ihre Bequemlichkeit. Prinzipiell gibt es zwei wesentliche Arten von geflochtenen Stühlen, nämlich zum einen Geflechte mit aufwändigen Lochmustern und zum anderen eher schlichte Geflechte.

Die vielfach als Kaffeehausstühle bezeichneten Stühle nach Thonet oder Kohn verfügen über Geflechte, die zum überwiegenden Teil in Form des Wiener Geflechtes gearbeitet sind. Bei diesem Geflecht handelt es sich um ein Achteckgeflecht, das sich in erster Linie wegen der guten Haltbarkeit und Stabilität und natürlich auch dem Aussehen durchgesetzt hat.

 

Wiener Geflecht

 

Das Wiener Geflecht gehört dabei zu den Grundlagen eines professionellen Stuhlflechters, so dass es ihm möglich ist, auch sehr alten Stühlen in einem weniger guten Zustand zu neuem Glanz zu verhelfen. Eine andere Variante von Stuhlgeflecht besteht aus Binsen. Um Binsen verarbeiten zu können, wird das Flechtmaterial zuerst in Wasser eingeweicht, wodurch es zeitgleich auch eine hohe Festigkeit erhält. Im nächsten Arbeitsschritt werden dann zwei oder drei einzelne Binsen zu einem sehr festen Band verdreht, so dass der fertige Stuhl später aus einer einzigen Binsenschnur besteht.

 

Während des Flechtens, das meist nach der Anleitung für gewobene Flechtmuster erfolgt, muss der Flechtstrang auf Spannung gehalten werden, da nur auf diese Weise eine stabile Sitzfläche entsteht. Dies bedeutet für den Stuhlflechter allerdings auch, dass er nicht nur über handwerkliches Können und Geschick verfügen muss, sondern auch einer körperlich sehr anstrengenden Tätigkeit nachgeht, bei der seine Hände das wichtigste Werkzeug sind.

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