Die Geschichte des Flechtens mit Pflanzen

Überblick über die Geschichte des Flechtens mit Pflanzen   

Das Flechten gehört zu den ältesten Handwerken überhaupt und zu den Besonderheiten dieses Handwerks gehört, dass letztlich keine speziellen Werkzeuge benötigt werden.

Anders als beispielsweise beim Tischlern, für das Werkzeuge wie Sägen, Feilen und Stecheisen benötigt werden, oder beim Töpfern, das neben dem Ton auch einen Brennofen oder zumindest Feuer voraussetzt, können Flechtwerke allein durch das Flechtgut und der Hände Arbeit entstehen. Die Geschichte des Flechtens als Handwerk beginnt schon in der Urzeit der Menschheit.  

 

Bereits vor vielen tausend Jahren flochten Menschen Behälter, Körbe, Matten und Sitzmöbel aus unterschiedlichen Pflanzen. In Ägypten beispielsweise wurde mit Papyrus, Binsen, Peddigrohr oder den getrockneten Blättern der Wasserhyazinthe geflochten. Auch in China gehört das Flechten zu den alten und traditionellen Handwerkskünsten und hier wurden verschiedenste Naturfasern als Werkstoffe für Gebrauchsgegenstände und für Kleidungsstücke verwendet.

Auch wenn Flechtwaren wie Körbe, Matten und Teppiche letztlich nie ganz aus der Mode gekommen sind, so erleben sie doch vor allem in den letzten Jahren ein großes Comeback. Nachwachsende Rohstoffe sind heute gefragter denn je, ein natürliches Wohnambiente liegt im Trend und Themen wie Umwelt- und Naturschutz sind zu elementaren Themen geworden.

Daher ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass auch Flechtwaren wieder neu entdeckt wurden. Erstaunlich ist jedoch, dass die Flechtwaren heute neben klassischen Varianten auch in modernen Formen angeboten werden, die Verarbeitung der Rohstoffe aber nach wie vor nach traditionell überlieferten Techniken erfolgt.

 

 

Hier nun ein kleiner Überblick über die Geschichte des Flechtens mit Pflanzen:

 

Die Weide als Rohstoff für Flechtwaren

In Europa werden schon seit dem Mittelalter Körbe und Möbel aus Weidenruten, Binsen und den Fasern von anderen heimischen Hölzern hergestellt. In Europa gibt es etwa 500 verschiedene Weidenarten, die in Auen und in der Nähe von Flüssen wachsen. Welche Weidenart jeweils verwendet wird, hängt von der geplanten Flechtarbeit ab.

Gemeinsam ist jedoch allen Weidenarten, dass der Beschnitt im Herbst stattfindet. Die einjährigen Weidenruten trocken dann den Winter über und werden im folgenden Jahr weiterverarbeitet. Verwendet werden die Weidenruten sowohl geschält als auch ungeschält.

Geschälte Weidenruten kommen bei weißen und hellen Geflechten zum Einsatz, ungeschälte Weidenruten werden für Geflechte in grünen Farbtönen verwendet. Vor dem Verflechten muss Weide jedoch immer gewässert werden, denn dadurch wird sie weich und geschmeidig.

Ungewässerte Weide lässt sich kaum verflechten, sondern würde brechen.    

 

Das Flechten mit Rattan und Peddigrohr

Die Lieferanten von Rattan und Peddigrohr sind Kletterpalmen, die überwiegend in tropischen Regenwäldern wachsen. Dabei entstammen sowohl Rattan als auch Peddigrohr von der gleichen Rohrpflanze, die unterschiedlichen Bezeichnungen ergeben sich aus dem Sprachgebrauch und daraus, dass es sich einmal um den inneren und einmal um den äußeren Teil der Pflanze handelt.

Rohrpflanzen kennzeichnen sich durch ihre geringe Dichte und die daraus resultierende sehr hohe Elastizität. Aus diesem Grund sind Rattan und Peddigrohr hervorragend für die Herstellung von Korbwaren geeignet, die hohen Belastungen ausgesetzt sind und möglichst lange halten sollen.

So wurden und werden diese Rohstoffe beispielsweise für Kohlenkörbe, für Ballonkörbe oder für Möbel verwendet. Pflanzenarten mit kleinem Durchmesser werden als Peddigrohr bezeichnet, dickere Stangen als Rattan.

Auch Rattan und Peddigrohr müssen gewässert oder mit Wasserdampf behandelt werden, damit sie verflochten werden können. Werden die Rohstoffe jedoch zu lange gewässert, nehmen sie eine gräuliche Farbe an. Ein besonderer Einsatzbereich von Rattan sind traditionelle Stuhlgeflechte.

So wurde Ratten schon im 17. Jahrhundert in schmale Streifen geschnitten und zu beispielweise dem berühmten Wienergeflecht verarbeitet.  

 

Binsen als Flechtmaterial

Binsen stammen ursprünglich aus den skandinavischen Ländern. Sie wachsen in sumpfigen Gegenden und an Flüssen und können bis zu drei Meter hoch werden. Alle zwei Jahre werden die Binsen in grünem Zustand geerntet und können trocken mehrere Jahre lang gelagert werden.

Verarbeitet werden Binsen in erster Linie zu Stuhlgeflechten, aber auch Matten und Hüte werden aus Binsen hergestellt. Die dänische Binsenschnur besteht aus Papier, das fest zusammengedreht ist und dadurch eine sehr hohe Stabilität aufweist.   

 

Das Espartogras als traditioneller Rohstoff

Espartogras wird vor allem in Spanien verarbeitet und blickt hier auf eine lange und bedeutsame Tradition zurück. Die ältesten bekannten Flechtwerke wurden in Granada gefunden und Wissenschaftler ordnen sie in die Zeit um 3500 vor Christus ein.

Espartogras ist ein Süßgras, das in Steppen und auf harten Böden wächst. Die recht grobe Struktur machen jedoch eine aufwändige Vorbereitung notwendig. Dies wiederum war vermutlich einer der Gründe dafür, weshalb sich das Espartogras nicht gegen Weide oder Peddigrohr durchsetzen konnte.

Weit über Spaniens Landesgrenzen hinaus bekannt sind die sogenannten Ubeda-Teppiche, die aus Espartogras geflochten werden. Bei diesen Teppichen handelt es sich um eine Tradition, die aus dem arabischen Raum übernommen wurde, und derzeit werden die Teppiche nur in einer einzigen Flechtwerkstatt in Andalusien noch hergestellt.

Um zu verhindern, dass dieses traditionelle Kunsthandwerk ausstirbt, wird es an der Schule für angewandte Kunst in Ubeda aber wieder gelehrt.

 

Weiterführende Flechttechniken, Anleitungen und Vorlagen:

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