Anleitung – Reisigbesen binden

Anleitung – Reisigbesen binden

 

Ein Besen ist zwar in erster Linie ein praktisches und nützliches Reinigungsgerät, gleichzeitig wird ihm aber schon seit jeher eine besondere Bedeutung zugeschrieben. So kehrten beispielsweise schon im alten Rom Hebammen nach Geburten die Türschwellen der Häuser, um auf diese Weise böse Einflüsse von den Neugeborenen und ihren Müttern fernzuhalten.

Später entstand der Glaube, dass Besen magische Zauberkräfte haben können. So wurde der Besen zum festen Bestandteil einer jeden Zauberwerkstatt und zu einem beliebten Thema in der Literatur, ein Beispiel hierfür ist Goethes Zauberlehrling. Seit dem Mittelalter glaubten die Menschen aber auch, dass der Besen das Transportmittel von Hexen war, die darauf zum Hexensabbat ritten.

Diese Vorstellung hielt sich in Europa lange Zeit aufrecht und bildete die Grundlage für viele Aberglauben. So sind beispielsweise bis heute viele davon überzeugt, dass es Unglück bringt, wenn ein Besen über ein fließendes Gewässer transportiert werden muss. Ein Besen wiederum, der an der Türschwelle oder unter der Eingangstreppe liegt, soll böse Mächte am Zutritt hindern.

Im Norden Deutschlands gibt es außerdem den Brauch, dass unverheiratete Männer an ihrem 30. Geburtstag solange den Marktplatz oder die Treppen zur Kirche fegen müssen, bis sie eine Jungfrau durch einen Kuss erlöst. 

Heutzutage gibt es Besen in unterschiedlichen Varianten und aus den verschiedensten Materialen. Trotz der vielen modernen Ausführungen ist der traditionelle, altbewährte und eher schlichte Reisigbesen aber nach wie vor sehr beliebt. Viele sind fest davon überzeugt, dass es keinen Besen gibt, der sich besser zum Fegen vom Hof, der Straße, dem Garten oder einem Stall eignet als der Reisigbesen. Früher wurden solche Besen von Besenbindern gebunden. Der Besenbinder war allerdings nie ein eigenständiger Lehrberuf mit eigenen Zünften.

Stattdessen liegen die Wurzeln dieses Handwerks im bäuerlichen Alltag und oft waren es Korbflechter, die in ihrer heimischen Werkstatt oder auf Wanderschaft nicht nur Körbe flochten, sondern auch als Besenbinder arbeiteten. Heute sind Reisigbesen in Korbwerkstätten, im Fachhandel und auch auf Mittelaltermärkten erhältlich.

 

Mit ein wenig handwerklichem Geschick lässt sich ein Reisigbesen
aber auch selbst anfertigen und wie es geht, erklärt die folgende Anleitung:

 

Die Materialien für einen Reisigbesen

  • ·         Reisig, am besten von der Birke
  • ·         Besenstiel, neu gekauft, von einem ausgemusterten Besen oder aus einem Stock selbst angefertigt
  • ·         Draht und Schnur
  • ·         Messer, Gartenschere und Drahtschneider
  • ·         Spanngurt

 

Anleitung: Reisigbesen binden

Der Reisigbesen setzt sich aus zwei Teilen zusammen, nämlich zum einen aus dem Besenstiel und zum anderen aus dem Besen als solches. Das Besenbinden beginnt nun mit der Anfertigung des eigentlichen Besens. Dazu wird das Reisig in die gewünschte Länge geschnitten, bewährt hat sich dabei eine Länge zwischen 40 und 50 Zentimetern. Möglich ist aber natürlich auch, das Reisig länger oder kürzer zuzuschneiden.

Aus dem vorbereiteten Reisig werden nun kleine Bündel angefertigt. Hierfür wird etwa eine handvoll Reisig genommen und die Zweige werden vom dickeren Ende ausgehend bis zu den Spitzen leicht miteinander verdrillt. Damit die Reisigbündel beim Binden nicht brechen, werden sie für kurze Zeit in Wasser eingeweicht.

Nun werden die vorbereiteten und eingeweichten Reisigbündel zum Besen zusammengebunden. Zunächst wird dafür ein Ende des Drahtes etwa eine Hand breit vom unteren, dicken Ende entfernt um ein Bündel gewickelt und fixiert. Um dieses Bündel herum werden dann so viele weitere Reisigbündel angeordnet, bis der Besen den gewünschten Umfang erreicht hat.

Damit sich der Besen später nicht wieder lockert oder gar löst, müssen die Bündel nun unter möglichst großer Spannung zusammengebunden werden. Hilfreich hierbei ist, das Reisig mit einem Spanngurt zu fixieren und fest zusammenzuziehen. Anschließend kann der Draht, der zuvor am ersten Bündel fixiert wurde, in mehreren Windungen fest um den Besen gewickelt werden. Ist das Reisig sicher verspannt, wird dieser Bindevorgang ein Stück entfernt wiederholt.

Bei einem kleineren Besen reichen zwei Verspannungen aus, bei einem größeren Besen können aber auch drei oder vier Verspannungen sinnvoll sein. Um die Verspannungen zusätzlich zu sichern, aber auch um die natürliche Optik zu unterstreichen, wird der Draht nun kaschiert, indem er mit Schnur umwickelt wird. Anschließend werden die einzelnen Zweige an beiden Enden gerade und gleichmäßig abgeschnitten.

Der Reisigbesen ist nun fast fertig, es fehlt nur noch der Stiel. Dieser wird mit der Spitze nach vorne angesetzt und durch leichtes Drehen mittig in das Reisigbündel eingetrieben. Dabei sollte der Besenstiel gut 10 Zentimeter tief in den Reisigbesen eingefügt werden. Damit ist die Arbeit abgeschlossen und der selbstgebundene Reisigbesen bereit für seinen ersten Einsatz.

Mehr Anleitungen, Vorlagen und Tipps zum Flechten:

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